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Digitalisierung im Klartext

Branchentypische Prozesse sind Innovationssackgassen

von | 14. Juni 2017 | Digitalisierung

Kennen Sie das auch, dass Werbung und Berater von branchentypischen Prozessen reden? Das heißt letztendlich, dass Unternehmen in einer Branche austauschbar sind, wenn nur ihre Prozesse identisch mit denen der Wettbewerber sind. Wie schafft es ein Unternehmen, sich vom Markt abzusetzen, wenn es doch genauso funktioniert wie alle anderen auch?

Im Normalfall gar nicht. Natürlich gibt es noch andere Stellschrauben als alleine die Prozesse eines Unternehmens, mit denen sich Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet haben und die ihnen somit zu einer besseren Stellung auf dem Markt verholfen haben. Dennoch muss man sich darüber im Klaren sein, dass durch Digitalisierung und Globalisierung eine immer höhere Markttransparenz geschaffen wird. Viele Unternehmen müssen sich heute nicht mehr nur noch der lokalen Konkurrenz, sondern einem nationalem oder gar internationalem Wettbewerb stellen. Das betrifft Unternehmen jeder Größenordnung, vom kleinen Einzelhandel und Handwerker, über den Mittelstand bis hin zum Konzern.

Jedes Unternehmen muss sich heutzutage, bei zunehmend sinkender Kundenloyalität, mit einem viel größeren Kreis an Mitbewerbern messen. Eine Alleinstellung anhand Qualität, Service und Preis oder einfach nur wegen der freundlicheren Telefonstimme wird unmöglich. Und wenn wir ehrlich sind, sind meistens die Unternehmen besser aufgestellt, die ihre Prozesse im Griff hatten, da sie mehr Kompetenz ausstrahlen. Standardprozesse sind schon mal besser als das Chaos, produzieren jedoch nur ein durchschnittliches Ergebnis. Um sich vom Wettbewerb abzusetzen und effektiver wirken zu können, musste der Standard optimiert werden.

Sicherlich gibt es einzelne Prozesse, die zwingend durchlaufen werden müssen. Diese sind jedoch aufgrund rechtlicher Vorgaben definiert und weitgehend automatisierbar. Angebote, Aufträge, Lieferscheine und Rechnungen müssen erzeugt werden. Das sind jedoch nicht die Prozesse mit denen Sie Geld verdienen, sondern Tätigkeiten die zu erledigen sind, damit der Mehrwert, den Sie erbringen, Ihre Leistung für den Kunden, formal korrekt abgewickelt wird.

Das eigentliche Dilemma an branchentypischen Prozessen ist jedoch noch viel brisanter. Sie bilden einen Rahmen, in dem sich das Unternehmen zu bewegen hat. Wenn Sie sich im größer werdenden Kreis von Ihrer Konkurrenz absetzen wollen, alleine schon um nicht abgehängt zu werden, müssen Sie flexibel sein und Ihr Geschäftsmodell ganz neu denken. Sie müssen den Rahmen der branchentypischen Prozesse komplett verlassen, der Sie im Status quo fesselt. Damit meine ich an dieser Stelle noch nicht einmal unbedingt radikale Neuausrichtungen oder gar Disruption. Diese wird mit größter Wahrscheinlichkeit von außen kommen. Von Menschen, die mit vollkommen unvoreingenommener Sicht in ihren Markt eindringen. Was ich meine, sind einfach neuer Ideen Ihre Kunden abzuholen und ihnen Services anzubieten. In einer Art, wie es noch keiner Ihrer Mitbewerber realisiert hat. Somit eben nicht „branchentypisch“.

Ein Beispiel wie Sie als Produkthersteller oder Lieferant Mehrwerte und Kundenbindung ohne zusätzlichen Aufwand für Ihre Mitarbeiter erzeugen, ist die folgende Möglichkeit. Automatisch mit Erstellung eines Belegs, wie beispielsweise Rechnung, Lieferschein oder ähnlichem, wird ein automatisches Benachrichtigungssystem ausgelöst. Abhängig von der gelieferten Ware werden automatisch und voll automatisiert, regelmäßige Erinnerungen zu Wartungs- und Kontrollterminen an die Kunden versendet. Nicht nur für kostenpflichtige Services.

Sicherlich kennen Sie es auch, dass Ihre Daten nicht ganz korrekt bei Ihren Kunden oder auch Lieferanten hinterlegt sind. Eventuell ändern sich Ansprechpartner, Firmierung oder Adresse. Und manchmal sind es Kleinigkeiten, die eventuell zu Problemen in der Kommunikation führen. Zum Beispiel ein Tippfehler in der E-Mailadresse oder der Telefon-Nr.

Einer unserer Kunden benötigt jährlich umfangreiche Informationen von seinen Lieferanten. Die analoge Übertragung dieser Informationen war zeitraubend und fehleranfällig. Inzwischen können die Lieferanten diese Informationen direkt über eine Online-Plattform einpflegen. Fehleranfällige, manuelle Übertragungen entfallen, das Einkaufsmanagement kann sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren und der Lieferant kann sicher sein, dass der Kunde mit den korrekten Daten arbeitet.

Sie machen regelmäßig Fotos von Ihren Produkten? Zum Beispiel im Baugewerbe oder Handwerk, wo sowieso regelmäßig per Bild dokumentiert wird? Dort wäre es ein Einfaches, geeignete Bilder direkt auf Facebook, Instagram oder Twitter hochzuladen. Ohne das der Mitarbeiter lange mit weiteren Werkzeugen, Anmeldemasken usw. kämpfen muss.

Ideen finden

Schauen Sie doch mal nach, welche Prozesse in Ihrem Unternehmen über die sogenannte Schatten-IT, neben den „normalen“ Prozessen abgewickelt werden. Alleine dabei werden häufig viele Prozesse sichtbar, die Ihren individuellen Ansatz zur optimalen Lösungsgestaltung bilden. Das was Sie von Ihren Konkurrenten unterscheidet und besser macht. Suchen Sie möglichst die Prozesse heraus, die einem besonderen Kundennutzen dienen. Diese Prozesse vollkommen zu integrieren und einen Ablauf ohne Medienbrüche zu gestalten ist schon ein erster Schritt. Lassen Sie Ihre Fantasie spielen, welches digitale Angebot Sie Ihren Kunden machen können, dass Sie vom Wettbewerb abhebt. Ihren persönlichen Mehrwert, den Sie direkt in Ihre bestehende Lösung integrieren können.

Und welche positiven Erfahrungen haben Sie bei einem Einkauf eines Artikels oder einer Dienstleistung gemacht? Können Sie für Ihr Angebot vielleicht etwas Ähnliches integrieren? Wie, die „Anderen“ machen das auch nicht so? Ja, dann ist es doch genau das, was Sie aus dem Masse heraus hebt.

Fazit

Lassen Sie sich nicht in die Schublade Ihrer Branche stecken. Solange Sie branchentypisch handeln, werden Sie als einer von vielen wahrgenommen. Und mit zunehmender Digitalisierung und Globalisierung werden es immer mehr, die mit Ihnen im Wettbewerb stehen. Wer jetzt die gleichen Werkzeuge benutzt, wie jeder andere auch und sich nicht über seine Besonderheiten positioniert, wird es in Zukunft immer schwerer haben, sich auf dem Markt zu positionieren.

Branchentypischer Standard wird zu einer Sackgasse, da dieser Mittelmaß produziert.

Fotonachweis

unsplash.com (CC0 Lizenz)

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