Immer wenn von Digitalisierung und Industrie 4.0 geredet wird, kommen auch die Themen Arbeitsplätze und Fachkräftemangel auf den Tisch. Es gibt die Möglichkeit darüber zu orakeln, wie es in einigen Jahren aussehen kann. Mehr Sinn macht es jedoch, einmal zu betrachten, welche An- und Herausforderungen auf uns zukommen werden. Wenn wir ein Bild davon haben, was passieren kann, können wir uns gezielt darauf einstellen und entsprechend agieren.

Zuerst einmal müssen wir betrachten, was Digitalisierung bedeutet und welche Wege es gibt sie in einem Unternehmen anzugehen. Den einen, allgemeingültigen Weg für alle Unternehmen gibt es nicht. Wenn es so wäre, dass einfach eine Schablone über ein Unternehmen gelegt wird und dann alles von alleine läuft, ist illusorisch. Sollte dies funktionieren, hieße es für das Unternehmen, dass es keinen USP besitzt. Wie bereits im Beitrag „Digitalisierung – das große Missverständnis“ beschrieben, geht es darum, die sich immer schneller ändernden Märkte zu bedienen.

Angetrieben durch die Industrialisierung wurden Produkte und Leistungen immer weiter vereinheitlicht und in Massen produziert. Der Anbieter bestimmte, welche Funktionalitäten und Ausstattungen ihm sinnvoll erschienen und der Käufer konnte aus der Angebotspalette eine Auswahl treffen. Abläufe in den Unternehmen wurden massiv standardisiert und es wurde das Management mit seinen Hierarchien eingeführt. Klare Gliederungen und Strukturen waren gefragt.

Die Verschiebung der Macht

Jetzt kommt auf einmal dieses Internet um die Ecke, gebiert soziale Netzwerke und mit ihnen wechselt die Macht des Marktes auf einmal vom Anbieter zum Kunden. Haben wir früher Wünsche an die angebotenen Produkte oder Leistungen gehabt, wurden diese häufig ignoriert. Vor allem dann, wenn sich daraus kein nennenswerter Ertrag generieren lies. Aus welchen Gründen auch immer. Das Internet ermöglicht uns, unsere Meinung öffentlich zu streuen und erleichtert die Suche nach Alternativen. Und es gibt kleinere Anbieter, die genau diese Alternativen anbieten und ebenfalls weltweit aktiv werden können. Der Kunde stellt Wünsche, hat eine große Markttransparenz und erfüllt sich diese so passgenau, wie nur irgend möglich. Je besser ein Anbieter diesen dynamischen Markt bedienen kann, umso bessere Chancen hat er dem Wettbewerb standzuhalten.

Auslöser für dieses Verhalten ist die Digitalisierung. Und gleichzeitig bildet sie auch das Werkzeug ihm aus Anbietersicht zu begegnen. Aufgrund der Tatsache, dass der Markt durch sich aufschaukelnde Spontanaktivitäten immer unberechenbarer wird, sind lange Planungs- und Einführungszyklen nicht mehr zeitgemäß. Haben sie früher ein Produkt für Planung und Marktreife beispielsweise 4 Jahre vorgesehen, so können Sie heute nicht mehr vorhersagen, ob ihre Idee in 4 Jahren nicht vollkommen am Bedarf vorbei zielt oder überhaupt noch sinnvoll erscheint.

Was bedeutet Digitalisierung für das Arbeiten?

Um der Geschwindigkeit des Marktes folgen zu können, muss ich zusehen, dass alles, was in irgendeiner Form sinnvoll zu automatisieren ist auch automatisiert wird. Die Dynamik der Märkte stellt die Anbieter vor komplexe Herausforderungen. Um diesen gerecht zu werden, muss ich die Menschen im Unternehmen von Routineaufgaben befreien, denn nur Menschen sind in der Lage, komplexe Anforderungen zu erfüllen. So ist es zum Beispiel vollkommen unsinnig, dass Mitarbeiter beschäftigt werden, um Fristen von Dokumenten zu überwachen, Daten zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Bearbeitern zur Verfügung zu stellen oder Zahlen für Auswertungen zusammen zu tragen.

Menschen haben den gewaltigen Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Maschinen kreativ sind und eigenständig Entscheidungen treffen können. Jeder auf seine Art und Weise. Dazu muss man sie nur lassen. Natürlich kann man sie konditionieren, nur zu leisten und nicht zu denken. Allerdings entgeht einem so der Mehrwert und den Menschen somit dabei auch die Lust am Denken. Was wir jetzt und zukünftig immer mehr benötigen sind Menschen, die ihr Potenzial für die Kundenwünsche zur Verfügung stellen. Das bedeutet auch, dass sie dazu befähigt werden müssen. Dazu gehören Fortbildungen und Schulungen, aber auch das Wissen, wie das Unternehmen in dem sie arbeiten funktioniert.

Mitarbeiter als Sensoren für den Markt

Die Aussage „Ich weiß nicht, ob wir das für Sie erledigen können.“ bedeutet in Zukunft, dass sie gerade einen Kunden verloren haben. Wenn der Mitarbeiter eine ihm nicht geläufige Anfrage erhält, muss er befähigt sein, kurzfristig Auskunft darüber zu erhalten. Das kann durch eine Datenbankabfrage möglich sein, oder dass er weiß, wen im Unternehmen er dazu befragen kann. Leider ist es nicht unüblich, dass viele Mitarbeiter gar keine Informationen darüber besitzen, was ihre Kollegen genau machen. In hierarchisch organisierten Unternehmen wird dann (hoffentlich) eine Anfrage nach „Oben“ gestartet und von dort aus weitergeleitet. Irgendwann kommt dann (vielleicht) eine Antwort zurück. Der Kunde wird diese Geduld immer weniger aufbringen wollen. Vernetzung innerhalb eines Unternehmens wird somit immer wichtiger. Ab einer gewissen Unternehmensgröße bietet sich auf jeden Fall ein Social Intranet an. Aber das bitte nicht durchregulieren, denn dann ist es eine Totgeburt.

Abgesehen davon darf eine Anfrage die zu Rückfragen innerhalb des Unternehmens führt nicht nur beantwortet werden, sondern sollte gleichzeitig als Sensor dafür dienen, was den Markt beschäftigt. Stellen Sie sich vor, ein Kunde fragt beim Service an, ob es für das Produkt, das ihn interessiert eine besondere Funktion angeboten wird. Die Anfrage wird an die Produktion oder Entwicklung geleitet und von dort kommt ein Nein zurück, das so an den Kunden weitergegeben wird. Die Anfrage wird damit abgeschlossen. Wenn das der Fall ist, wurde gerade eine Chance vertan, auf den Markt zu hören. Nutzen Sie die Chance, dass Anfragen des Marktes gesammelt und ausgewertet werden können. Und wenn Dienstleistungen vertreiben, dann ist die Funktion vielleicht eine Zusatzleistung die angefragt wurde.

Fazit

Komplexe Aufgaben können nur durch Menschen mit Freiräumen in ihrer Arbeitsgestaltung erledigt werden. Monotone Arbeitsabläufe untergraben jedoch Motivation und Kreativität. Diese sind jedoch die Bausteine, die in Zeiten der Digitalisierung einen deutlichen Mehrwert für Unternehmen und auch die Mitarbeiter bedeuten.

Das Digitale an der Digitalisierung, also die Technik, ist nur Mittel zum Zweck. Betrachten Sie es als Werkzeug, das den Mitarbeitern Freiräume liefert, die Komplexität der Anforderungen zu meistern. Denn marktfähig wird nur derjenige bleiben, der den Markt versteht und seine Wünsche bedient.

Die Frage, ob wir nun mehr oder weniger Arbeitskräfte benötigen wird somit erst einmal hinfällig. Was wir benötigen, sind Arbeitskräfte die selbstständig arbeiten. Das ist die Aufgabe, die es zu meistern gibt.

Fotonachweis

New old stock / flickr.com

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