Digitalisierung ist eines der aktuellen Schlagworte schlechthin. Es wird darüber geredet, geschrieben und manchmal auch betrieben, aber verstanden wird es eher selten. Software wird von Managern als Ersatz für Menschen betrachtet und es gibt Redaktionen die schreiben Sätze wie «Was gemeinhin als „Digitalisierung“ bezeichnet wird, also das Ersetzen menschlicher Arbeit durch Maschinen und Computerprogramme, … ». Man fährt nach Silicon Valley und schaut, wie die Menschen dort arbeiten, aber begreifen, was gerade passiert, dass tun die allerwenigsten. Es ist zwar schon mehr als einmal geschrieben worden, jedoch lebe ich mit der Hoffnung, dass steter Tropfen den Stein höhlt und stelle es hiermit mit meinen Worten dar.

Es ist tatsächlich gemeinhin verbreitet, dass Digitalisierung eine reine Automatisierung von Prozessen ist, die bislang von Menschen abgewickelt worden sind. Ersetze ich den Menschen durch eine Software, digitalisiere ich einen Prozess. Diese Aussage ist erst einmal nicht falsch, nur zielführend ist sie halt auch nicht. Denn die Digitalisierung muss dazu dienen, dem Kunden und den Nutzern Vorteile zu bieten, die er zum aktuellen Zeitpunkt noch nirgendwo erhalten hat. Und das mit maximaler Flexibilität, in einem minimalen Zeitraum. Wenn Ihnen das nicht gelingt, sondern lediglich Ihre Margen durch geringeren Personaleinsatz erhöht werden, ist Ihr Unternehmen nicht überlebensfähig. Spätestens wenn der erste Konkurrent ein besseres Produkt hat als Sie, und dass in einem ähnlichen Preisgefüge, dann hilft Ihnen die Marge auch nicht mehr.

Digitalisierung heißt: Innovation anstelle Effizienzsteigerung

Bedingt durch das Internet und den damit einhergehenden Social Media-Netzwerken kommt es zu einer vorher nie dagewesenen Vernetzungsdichte der Akteure. Verstärkte Spontanaktivitäten sind die Folge. Diese schaukeln sich auf und es ist nicht mehr längerfristig vorhersehbar, wie sich Dinge entwickeln. Es geht nicht darum, dass man günstig auf Halde produziert, sondern kurzfristig die Wünsche seiner Kunden befriedigen kann. Wenn man das nicht schafft, dann ist dieser schnell woanders. Dinge die heute angesagt sind, liegen morgen massenweise in Rudis Resterampe zum Verkauf.

Eine wunderbare Erklärung zum Verhalten der Menschen in Netzwerken hat, bereits am 5. Juli 2010, der inzwischen leider verstorbene Prof. Dr. Peter Kruse vor der Enquete Netzpolitik des deutschen Bundestags abgegeben. Inzwischen sind etliche Jahre vergangen und …
Aber schauen Sie selbst. (3:33 Min.)

Beispiele im B2C

Stellen Sie Produkte her, die als Unikat einen höheren Mehrwert für Ihren Kunden bieten könnten? Also ich fände es klasse, wenn ich meine Kleidung auf Maß geschneidert erhalten könnte, ohne ein Vermögen dafür zu berappen. Meine Frau würde sich freuen, wenn sie problemlos in die Schuhe passen würde, die ihr auch gefallen. Jedes Mal bin ich genervt ewig probieren zu müssen, ob mir Dinge passen und dabei auch vernünftig sitzen. Gerade bei Kleidung ist ein hoher Individualisierungsgrad möglich, denn wie viele Menschen passen wirklich optimal in Standardkonfektionen? Die Firma adidas hat bereits bewiesen, dass sich ein individueller Laufschuh per 3D-Druck fertigen lassen kann.

Oder eine Einbauküche. Bei uns hat seinerzeit das Küchenstudio den Zuschlag erhalten, das passgenau unsere Wünsche erfüllen konnten. Ohne Kompromisse und ohne spürbaren Preisunterschied. Eine eigene Möbeltischlerei hat es damals möglich gemacht. Heutzutage erwarte ich, dass ich passgenaue Schränke direkt vom Hersteller geliefert bekomme. Die Losgröße 1 darf als realistisch betrachtet werden. Jede Wette, dass es nicht mehr lange dauert, bis man Möbel mit individuellen Maßen ordern kann, ohne dass sie teurer sind als Standardware. Und das natürlich im Normalpreissegment. Der Erste der das schafft, darf sich gerne melden. Es gibt Plätze bei uns im Haus, die schon seit Jahren auf ein passendes Möbel warten.

Und im B2B-Bereich?

Abgesehen davon, dass es auch hier reichlich Kleidung und Möbel gibt wäre es doch auch Klasse, wenn man Rechnerleistung immer so anfordern könnte, wie man sie gerade benötigt. Im Moment muss man immer für das Maximum gewappnet sein. Das wird unter Umständen jedoch nur zu 5 Prozent seiner Laufzeit oder gar weniger ausgelastet. Gibt’s schon? Ok, aber zu welchen Konditionen? Ich denke, dass an dieser Stelle noch Spielraum existiert, was Services und Preise betrifft.

Sie sind Produzent von Bauteilen, beispielsweise Industrielüfter? Mag sein das der Individualisierungsgrad bei Ihrem Produkt nicht so hoch ist wie bei anderen Produkten. Wenn Sie jedoch vorzeitig feststellen können, dass eine Lüftungsanlage ausfallen wird und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten können, bevor dem Kunden ein Schaden entsteht, bieten Sie einen deutlich höheren Mehrwert. Stichwort: Predictive Maintenance.
Oder Sie gehen noch einen Schritt weiter und bieten diese als reines Servicepaket an.

Oder es bestehen Rahmenverträge mit Ihren Kunden und Sie stellen ihm online die Möglichkeit zur Verfügung, diese jederzeit zu managen, da auch er schnell am Markt agieren muss. Und er wird nicht lange bei Lieferanten bleiben, die ihn ausbremsen.

Fragen Sie Ihre Kunden, was diese sich wünschen. Überlegen Sie, wie Sie die Kundenwünsche umsetzen können und testen Sie aus, mit welchem zusätzlichen Feature ein kleiner aber feiner Vorsprung geschaffen wird, der Sie zum „digital Leader“ macht.

Fazit

Egal ob Produktion, Handel oder Dienstleistung. Jeder Bereich wird betroffen sein und jede Automatisierung von Prozessen muss zuerst einmal dafür genutzt werden, Kunden besser und schneller zu bedienen als es aktuell der Fall ist. Um das zu managen und Prozesse den laufenden, individuellen Veränderungen anzupassen, sind gut ausgebildete Mitarbeiter notwendig und ein Loslösen von festgefahrenen und statischen Lösungen.

Natürlich bedarf Digitalisierung auch Tools, die eher statisch sind. ERP, CRM oder FIBU sind jedoch reine Funktionssammlungen, die von den Prozessen nachgefragt werden. Die optimalen Prozesse für Ihr Unternehmen sind kein Standard und sollten fließend, ohne Brüche, ineinander übergehen. Die prozessunterstützende Lösung muss, zum jeweilig notwendigen Zeitpunkt auf diese Funktionen zugreifen, sie also integrieren können. Das ist die entscheidende Herausforderung, die Ihrem Kunden (und Mitarbeitern) den größtmöglichen Nutzen schafft, so dass er sich von Ihnen verstanden fühlt.

Erst kommt die Fragestellung „Was kann ich tun um meine Kunden zu begeistern?“ und dann sucht man sich das Werkzeug aus, dass diese, sich fortlaufend ändernden Anforderungen, maximal unterstützt. Statische Lösungsansätze werden Ihnen in Zukunft nicht mehr helfen, da langfristige Planungen obsolet werden.

Fotonachweis

geralt / pixabay.com (CC0 Lizenz)

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